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Tauschkreise


Tauschkreise (auch Tauschring oder Local Exchange Trading Systems, kurz LETS) sind lokal initiierte, demokratisch organisierte, gemeinnützige Gemeinschaftsunternehmen, die als Informationsdienst für die Gemeinschaften agieren und Transaktionen aufzeichnen, wenn Kunden Güter und Dienstleistungen austauschen (mit Hilfe der eigens kreierten LETS Krediten). An manchen Orten, wie z.B. in Toronto, wird das System auch Local Employment and Trading System genannt. In New South Wales (Australien) ist es als Local Energy Transfer System bekannt.

Michael Linton prägte den Begriff „Local Exchange Trading System“ im Jahr 1983 und war eine Zeit lang für die Comox Valley LETSystems in Courtenay (British Columbia) zuständig. Sein System sollte ein Art Zusatzoption zur Landeswährung sein, aber diese nicht ersetzen, auch wenn es durchaus einige Leute gab, die ihre Landeswährung durch Gebrauch von LETS ersetzen konnten.

LETS-Netzwerke nutzen zinsfreie lokale Kredite, so dass kein direkter Tausch notwendig ist. Ein Mitglied kann z.B. Kredite sammeln, indem er für jemanden babysittet und diese später bei einem weiteren Mitglied einlösen. Im Tauschkreis wird im Gegensatz zu anderen Komplementärwährungen kein Zwischenschein ausgegeben, sondern die Transaktionen werden in einer Art Zentralstelle, die für alle Mitglieder einsehbar ist, aufgezeichnet. Da Kredite, die von den Mitgliedern ausgegeben werden, immer zum Eigennutz dienen, ist das LETS ein Kreditsystem, das auf gegenseitiger Anerkennung beruht. Die Komplementärwährung, die in der Milleniumserklärung der Vereinten Nationen erwähnt wurde, war ein UNILETS United Nations International & Local Employment-Trading System, das zu Restrukturierung der globalen Finanzwelt dienen sollte.

Inhalt

1. Kriterien

2. Wie ein Tauschkreis funktioniert

2.1 Besteuerung

2.2. Sozialversicherung

3. Vorzüge der Tauschkreise

4. Kritik am Tauschkreis

5. Tauschkreise weltweit

5.1 Globales Netzwerk

6. Siehe auch

Kriterien

Tauschkreise erfüllen normalerweise die folgenden fünf Kriterien:

  • Service von der Gemeinschaft für die Gemeinschaft
  • Kein Zwang, zu handeln
  • Offenlegung der Kontostände für alle Mitglieder
  • Gleichwertigkeit zur Landeswährung
  • Keine Zinsen

Über das vierte Kriterium wird am häufigsten diskutiert. Laut einer Umfrage, die 1996 von LetsLink UK durchgeführt wurde, halten sich nur 13% der LETS Netzwerke an dieses Kriterium. Die meisten haben eigene Bewertungssysteme „um sich [selbst] gänzlich von der Mainstreamwirtschaft abzugrenzen.“ Michael Linton bemerkte, dass diese Systeme eher Netzwerke mit „eigenem Geld“ sind und es sich dabei nicht um richtige Tauschkreise handelt.

Wie ein Tauschkreis funktioniert

1. Es wird eine Organisation gegründet, um untereinander tauschen zu können. Oft wird dabei ein kleiner Mitgliedsbeitrag gezahlt, damit Verwaltungskosten abgedeckt werden können.

2. Die Mitglieder bekommen eine Übersicht über die Angebote, was das Handeln erleichtert.

3. Im Anschluss an den Handel können die Mitglieder mit Hilfe von Papiernotizen „bezahlen“, die Transaktion in einem Logbuch oder online festhalten oder Schecks schreiben, die später vom Buchhalter gesammelt werden.

4. Mitglieder, deren Kontostände ein Soll oder Haben aufweisen, müssen dies korrigieren.

Tauschkreise sind eigenständige „Währungssysteme“, die es anders als beim direkten Tausch, den Mitgliedern ermöglichen, Kredite von jedem Mitglied im Netzwerk zu sammeln und diese bei einem x-beliebigen Mitglied wieder auszugeben. Da die Details von den Mitgliedern selbst ausgearbeitet werden, können die Systeme stark variieren.

Besteuerung

Tauschkreise sind nicht dafür gedacht, Steuern zu umgehen. Im Allgemeinen fordern die Gruppen ihre Mitglieder dazu auf, dem Staat Steuern zu zahlen (sei es nun Einkommenssteuer oder Mehrwertsteuer). In einigen Ländern haben die Steuerbehörden die Tauschkreise und andere Kompensationsgeschäfte untersucht und Regeln aufgestellt. Bei persönlichen und sozialen Arrangements und Hobbys gibt es keine Steuerpflicht. Das betrifft generell einen Großteil der Transaktionen im Tauschkreis. Steuerpflicht entsteht, wenn ein Kaufmann seine Dienstleistung für LETS-Einheiten anbietet oder wenn ein registriertes Unternehmen oder eine Aktiengesellschaft Produkte für LETS Einheiten verkauft. In diesen Fällen sollten die Unternehmen einen Teil ihres Produktes oder ihrer Dienstleistung gegen LETS-Einheiten und den anderen Teil gegen die Landeswährung verkaufen, damit Steuern bezahlt werden. Dies bedeutet jedoch, dass, wenn die Ausgaben in Landeswährung steuerlich absetzbar sind, es die LETS-Ausgaben auch sein müssen.

Sozialversicherung

In einigen Ländern wurden die LETSysteme als Initiative zur Sozialversicherung gefördert. So förderte z.B. in Australien der frühere Sozialminister der Keating-Regierung die LETSysteme, damit Leute sich Dinge für dringende Bedürfnisse leihen können oder um sich im Geschäft zu etablieren.

Vorzüge der Tauschkreise

Tauschkreise können Gemeinschaften aufbauen und beleben, da durch sie die Mitglieder, kleinen Unternehmen, lokale Dienstleistungen und Freiwilligengruppen in Kooperation miteinander Geld und Ressourcen sparen können und ihre Kaufkraft erhöhen können. Andere Vorteile sind z.B. der soziale Kontakt, Gesundheitsfürsorge, Unterricht und Training, Unterstützung von lokalen und neuen Unternehmen. Dadurch wollte man die Wirtschaft von benachteiligten Städten ankurbeln, die zwar über Güter und Dienstleistungen verfügen, aber keine wirkliche offiziellen Zahlungsmittel haben: Das System des Tauschkreises erfordert keine externen Einkommensquellen als Stimulus.

Kritik am Tauschkreis

LETSysteme haben im Prinzip dieselben Probleme wie andere gemeinnützige und gemeindebasierte Organisationen oder Nichtregierungsorganisationen. Die Organisatoren von Tauschkreisen beschweren sich häufig darüber, dass sie überlastet sind und erleiden möglicherweise ein Burn-Out-Syndrom. Viele Organisationen mussten deshalb aufgeben. Ein Großteil dieser Probleme könnte allerdings durch die richtige Organisation und Entwicklung und effiziente Nutzung von Software gelöst werden.

LETSysteme, die eigentlich Leute mit einer generellen gemeinschaftlichen oder umweltbewussten Ideologie ansprechen sollen, konnten sich vielerorts zu erfolgreichen Initiativen zur Sozialfürsorge entwickeln. Wenige dieser Systeme haben es geschafft, sich zu lokalen wirtschaftlichen Initiativen entwickeln, um kleinen Unternehmen in regionalem Besitz zu helfen, sich gegen mittlere Firmen durchzusetzen. Dies wird im Allgemeinen von den Begründern als Schwäche der LETSysteme empfunden, da sie der Meinung sind, dass kleinere Unternehmen möglicherweise mit Hilfe von LETSystemen mit größeren nationalen und transnationalen Unternehmen konkurrieren könnten.

Einige Leute haben Probleme damit, sich an die Wirkungsweise der LETSysteme zu gewöhnen. Eine konventionelle Landeswährung ist normalerweise schwer zu verdienen, aber leicht auszugeben. Im Tauschkreis ist die Währung eher leicht zu verdienen und schwer auszugeben. Der Erfolg der Tauschkreise hängt also davon ab, wie leicht eine Person ihre LETS-Kredite ausgeben kann und dadurch ihre Lebensqualität verbessern kann. Wenn man den LETS Mitgliedern schwierige Arrangements oder unverhältnismäßig hohe Gebühren in den Weg stellt, wird dies die Zukunft der Tauschringe schwieriger gestalten.

Tauschkreise weltweit

Tauschringe gibt es heute in vielen Ländern:

Australien stellte 1989 50 000$ für die Entwicklung von Tauschkreisen zur Verfügung. Davon wurden Konferenzen abgehalten, Software und ein LETSystems – Trainingspaket entwickelt und Michael Linton bei seinem Besuch von West Australia unterstützt. 1995 gab es bereits 250 LETSysteme in Australien, in West Australia waren es alleine 43 verschiedene Systeme für einen Bundesstaat mit 2,3 Millionen Einwohnern (wobei natürlich nur ein kleiner Teil der Bevölkerung an den Tauschkreisen teilnahm). Damit war West Australia die Region, in der es weltweit am meisten Tauschkreise gibt. South Australia führte als erste Region ein „InterLETS“ ein, durch das Mitglieder mit Mitgliedern anderer Systemen tauschen können. Nährere Informationen finden sie dazu auf dieser Seite: www.lets.org.au

Mehrere Städte in Kanada haben LETS Gruppen, z.B. Kitchener-Waterloo, Niagara und Peterborough (Ontario), Halifax (Novia Scotia) und St. John`s (Newfoundland).

In Ecuador gab es im Jahr 2000 140 Ecosimia Gruppen.

Das französischsprachige Europa hat ein einheitliches SEL-Netzwerk.

Im deutschsprachigen Europa ist ein einheitliches Tauschkreissystem (auch Tauschring) mit gemeinsamer Software verbreitet.

In Ungarn spricht man von dem „Community Service System“ (Kör). So ist in Budapest die Talentum Kör (Gold Talent Group) ansässig, die vom British Council unterstützt wird.

Im japanischen Chiba (nahe Tokio) gibt es das Peanuts System. Etwa zehn Prozent aller Einkäufe in lokalen Geschäften werden in der Gemeinschaftswährung getätigt (2002). Die LETS Bewegung hatte dort ihren Höhepunkt in den Jahren 2002 und 2003 und hat seitdem langsam wieder abgenommen. Siehe auch Fureai kippu.

Die Niederlande haben innovative LETS-Konzepte eingeführt, von denen einige Systeme potentiellen Teilnehmern den Zugang erleichtern wollen, indem man die Handelsplattformen komplett ins Internet verlegt (z.B. NOPPES).

In Südafrika führte das Community Exchange System (CES) im Jahr 2003 einen internetbasierten Tauschkreis ein (Kapstadt). Dieser entwickelte sich zu einem globalen Netzwerk mit über 180 lokalen Tauschsystemen in mehr als 20 Ländern (Anfang 2010), darunter Neuseeland, Australien, Spanien, USA, Vereinigtes Königreich, Vanuatu usw. Viele dieser Tauschsysteme sind ehemalige LETSysteme, einige aber auch Time Banks oder Mischformen.

Südkorea hat ebenso aktive Tauschkreise, wie z.B. das Hanbat LETS in Daejeon und das Gwacheon Pumasi in Gwacheon.

Die WIR Bank in der Schweiz unterhält ein System, das einem Tauschkreis ähnlich ist.

In den USA gibt es eine Vielzahl von Währungsprojekten, darunter auch LETSysteme, die momentan alle einen Aufschwung erfahren.

Globales Netzwerk

Der Wert der lokalen Währung steigt immens, wenn sie umgewandelt und woanders ausgegeben werden kann. Bemühungen die LETSysteme weltweit zu kooperieren oder sogar ein richtiges Verzeichnis zu entwerfen, müssen noch fruchten. Genauer gesagt wurde UNLIETS von den Vereinten Nationen abgesegnet, danach geschah jedoch nichts mehr. Seit geraumer Zeit zeigt die Nutzung einer gemeinsamen Software erste positive Effekte. Der Tauschkreis in Deutschland stellt die Software für die meisten Systeme im deutschsprachigen Europa und im CES befinden sich heute mehr als 200 Systeme, die untereinander handeln können (das sogenannte Intertrading).

Siehe auch

Tauschhandel

Genossenschaftsbanken

Komplementärwährung

Grüne Wirtschaft

Grüne Politik

Ripple Zahlungssystem

WIR Bank


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